Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göttingen

  1. Göttinger Zeitungen : ein pressegeschichtlicher und bibliographischer Führer mit Standortnachweisen / Eckhard Sürig. - Göttingen : Stadtarchiv Göttingen, 1985. - 96 S.: III. - 2,60 EUR

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nächster Band

Einleitung7
Das Göttinger Zeitungswesen - Eine pressegeschichtliche Einführung9
Chronologisches Verzeichnis der Göttinger Zeitungen mit Standortnachweis23
Alphabetisches Register der Zeitungstitel73
Literatur zum Göttinger Zeitungswesen77
Graphische Darstellungen - Erscheinungszeiten und Auflagenhöhen79
Abbildungen85



Einleitung
"Zeitungen sind eines der großen Kulturmittel, durch die wir Europäer Europäer geworden sind". Diese Bemerkung des bekannten Göttinger Historikers und Publizisten des 18. Jahrhunderts, August Ludwig Schlözer, weist auf eine allgemeine kulturhistorische Informationsquelle hin, deren klare Definition und Abgrenzung damals noch nicht möglich, vielleicht auch noch nicht nötig war. Zeitungen, Journale und Zeitschriften ließen sich in ihrem Charakter nicht eindeutig voneinander trennen; sie waren im 17. Jahrhundert entstanden und nahmen verschiedene publizistische Elemente in sich auf. Heute formulierte, klassische Definitionen von Zeitungen und Zeitschriften sind für die Frühzeit Göttinger Publikationen noch nicht unmißverständlich anzuwenden. Die Quellen, aus denen der Göttinger Bürger sich orientierte, waren oft eine Verbindung von Nachrichtenaussagen und belehrenden Meinungsauseinandersetzungen.

Das Stadtarchiv hat sich die Aufgabe gestellt, lokale Zeitungen - auch Bezirksausgaben -, die sich zum überwiegenden Teil den Kriterien einer Zeitung, nämlich der "Aktualität, Periodizität, Publizität und Universalität" verpflichtet fühlten, von ihren Anfängen her bibliographisch zu erfassen. Damit entfallen alle Titel, die vielleicht den Begriff "Zeitung" tragen, aber ihrem Charakter nach eine moralische Wochenschrift, eine unterhaltende oder fachliche Zeitschrift, ein Wirtschaftsblatt oder Freizeitmagazin sind. Eine eindeutige Wesensbestimmung fällt erst dann leichter, wenn sich die Presseerzeugnisse von der Absicht der Tages-Aktualität distanzieren und sich einem überschaubaren, gezielt angesprochenen Interessentenkreis zuwenden.

Schon bald nach der Gründung der Universität zeichnete sich Göttingen fast ein Jahrhundert lang als ein Zentrum des Buchhandels, der Verlage, Bibliotheken, Lesezirkel und Leihbibliotheken aus. Moses Rintel führt in seinen 1794 erschienenen Aufzeichnungen 7 Buchhandlungen und Antiquariate, 16 Buchbindereien, 5 Papierhandlungen, 6 Buchdruckereien, 5 Kupferstecher und 4 Zeitungsträger in der etwa 10 000 Einwohner (!) - ohne Studenten und Soldaten - zählenden Stadt auf. Trotz bestehender Zensur kursierten Hunderte von Büchern, Zeitschriften, Journalen, Taschenbüchern, Kalendern und auch Zeitungen unter den "lesehungrigen" Bürgern und innerhalb der zahlreichen Leihbibliotheken und Lesegesellschaften. Das Interesse der breiten Bevölkerung an Nachrichten und Lektüre aller Art entsprach dem der Einwohner größerer europäischer Städte.

Unter den in Göttingen gelesenen in- und ausländischen Zeitungen nahmen sich anfangs die wenigen, oft kurzlebigen, örtlichen Blätter recht bescheiden aus. Schließt man jedoch den Bogen von 1735 zu 1975, dem Zeitpunkt also, von dem an in Göttingen bei unterschiedlichen lokalen Presseobjekten nur eine örtliche Tageszeitung erscheint, so spiegeln die 240 Jahre Göttinger Pressegeschichte eine beachtliche Vielfalt der Meinungen in zahlreichen Zeitungen wider. In einem kurzen pressehistorischen Teil der vorliegenden Broschüre wird diese lokale Entwicklung in einen Zusammenhang mit der allgemeinen Pressegeschichte gestellt. Dem Leser soll damit die Möglichkeit gegeben werden, mit diesen Hinweisen die chronologisch aufgeführten Zeitungstitel sachlich besser einordnen zu können.

Alle in der Bibliographie genannten Zeitungen befinden sich im Original oder als Kopie im Stadtarchiv Göttingen. Der schlechte Erhaltungszustand besonders der älteren Bände verbietet es leider, die Zeitungen noch im Original zu benutzen. In einer vom Land Niedersachsen großzügig subventionierten Restaurierungs- und Verfilmungsaktion konnte im Lauf der Jahre der umfangreiche Zeitungsbestand erhalten und verfilmt werden. Auf Rollfilm und Mikrofiche ist diese wichtige kulturhistorische Quelle nun nicht mehr allein im Stadtarchiv, sondern zum großen Teil durch Ankauf von Duplikatfilmen auch in der Niedersächsischen Staats- und Universitäts-Bibliothek und im Verlagshaus des Göttinger Tageblatts einzusehen. Zur Erschließung der Zeitungen wird die seit Jahren im Stadtarchiv durchgeführte systematische Verzeichnung der Zeitungsartikel fortgesetzt.

Mit Hilfe dieser erstmals zusammengestellten Bibliographie, die wie alle Nachschlagewerke sicher auch Lücken aufweisen wird, konnte ein wesentlicher Bestand des Stadtarchivs transparent gemacht werden. Dabei wurde der Verfasser in außerordentlich freundlicher Weise vom Institut für Kommunikationswissenschaften, der Niedersächsischen Staats- und Universitäts-Bibliothek und dem Max-Planck-Institut für Geschichte fachlich beraten und unterstützt. Die Verlagsleitung des Göttinger Tageblatts zeigte nicht nur für die Sicherung und Verfilmung alter Göttinger Zeitungen großes Interesse, sondern ermöglichte auch die Drucklegung dieser Broschüre. Für die Zusammenarbeit und Unterstützung sei herzlich gedankt.

Das Stadtarchiv hat den Abschluß der Sicherungsmaßnahmen des Zeitungsbestandes zum Anlaß genommen, im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit eine Ausstellung mit dem Thema "Göttinger Zeitungen - gestern und heute" zu zeigen. Die vorliegende Bibliographie, die zugleich das erste Heft der in unregelmäßiger Folge erscheinenden "Veröffentlichungen des Stadtarchivs" ist, soll dabei ein wichtiger Leitfaden sein.

Helga-Maria Kühn


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