Chronik für das Jahr 1939

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1. Mai 1939

Den Nationalfeiertag des Deutschen Volkes eröffnete das Große Wecken, ausgeführt durch drei Musikzüge (Musikkorps Infanterie-Regiment 82, Spielmann- und Musikzug der SA-Standarte 82, Spielmann- und Musikzug der Kreisleitung). Auf der Schillerwiese fand eine Kundgebung der Jugend mit der Ehrung der Kreis- und Gausieger im Reichs-Berufswettkampf durch Kreisleiter Dr. Gengler statt. Später trafen auf der Schillerwiese außer den Spitzen der Behörden und einer Infanterie-Ehrenkompanie mit klingendem Spiel vier große Marschsäulen von Angehörigen der Betriebe und der großen Ortsgruppen zur Übertragung der bei dem Staatsakt im Berliner Lustgarten gehaltenen Rede des Führers ein.

Kreisleitung und Stadtverwaltung empfingen, wie im vorigen Jahr, in der Rathaushalle eine Anzahl verdienstvoller Arbeiter aus den Stadt- und Landkreis.

Auf dem Marktplatz führte der NS-Reichsbund für Leibesübungen sportliche Kämpfe auf. Der Tag klang fröhlich mit allgemeinem Tanz unter dem Maibaum vor dem Rathaus aus.

6. Mai 1939

In feierlichem akademischen Festakt in der Aula gliederte Generalforstmeister, Staatssekretär Alpers, die bisherige Forstliche Hochschule Hann. Münden als Forstliche Fakultät in die Georg-August-Universität ein. Auch die Tradition der Forstlichen Abteilung der Universität Gießen ging auf die neue Forstliche Fakultät Göttingen über. Staatssekretär Zschintzsch übernahm als Vertreter des Ministers für Wissenschaft, Erzielung und Volksbildung die neue Fakultät und überreichte im Auftrag des Ministers zum Ausbau ihrer Bücherei einen Betrag von 15.000 RM. Reichsforstmeister Generalfeldmarschall Hermann Göring wurde zum Ehrenbürger der Georg-August-Universität ernannt. Am Nachmittag legte Staatssekretär Zschintzsch in feierlichem Akt auf dem für die neue Forstliche Fakultät vorgesehenen Gelände am Kreuzberg den Grundstein für die neuen Institutsgebäude.

Die Stadtverwaltung veranstaltete anschließend in der Rathaushalle einen Empfang für die neue Fakultät, bei der Oberbürgermeister Gnade, der Dekan der Forstlichen Fakultät, Professor Dr. Baader und der Führer der Studentenschaft der bisherigen Forstlichen Hochschule Hann. Münden, stud.forest. Fuhr, sprachen. - Universität und Stadtverwaltung gaben abends im Stadtpark-Saal für Professoren, Studenten und Beamte wie Ehrengäste (unter ihnen Generalforstmeister Alpers) gemeinsam einen Kameradschaftsabend, mit dem die Übernahme-Feierlichkeiten ausklangen.

Der Göttinger "Liederkranz" beging seiner 100-Jahrfeier durch ein Festkonzert, an dem auch der Männergesangverein teilnahm.

8./9. Mai 1939

Die Allgemeine Hannoversche Missionskonferenz tagte in Göttingen.

10. Mai 1939

Stadtkämmerer Dr. Franz Claassen wurde unter Beibehaltung seines Amtes als Stadtkämmerer anstelle des zum Oberbürgermeister berufenen Bürgermeisters Gnade zum Bürgermeister der Stadt Göttingen ernannt.

12. Mai 1939

Auf Anregung des Reichspropagandaamtes Südhannover-Braunschweig veranstalteten Kreisleiter Dr. Gengler und Oberbürgermeister Gnade in der Rathaushalle ein Konzert junger niedersächsischer Künstlerinnen.

15. Mai 1939

Erstmalig für Göttingen wurde eine Fabrik-Ausstellung der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" auf den Fliegerhorst eröffnet. Diese Ausstellungen sollen den Arbeiter zur bildenden Kunst führen. Die Schau ist später auch in anderen Betrieben gezeigt worden.

17. Mai 1939

Die heute durchgeführte Volkszählung ermittelte folgende Ergebnisse; endgültige Wohnbevölkerung (einschließlich Wehrmacht): 24.709 männliche, 26.505 weibliche Personen. Die ständige Bevölkerung (ohne Wehrmacht) betrug: 23.163 Männer, 26.505 Frauen, insgesamt: 49.668 Einwohner. Haushaltungen sind in Göttingen 14.902 festgestellt worden. - Von den hier lebenden etwa 39.500 Erwerbspersonen waren selbständig 4400, mithelfende Familienangehörige 600, Beamte 6600, Angestellten 8700, Arbeiter 19.200.

21. Mai 1939

Am "Muttertag" wurde durch die Ortsgruppen der Partei zum ersten mal in Göttingen 380 kinderreichen Müttern das vom Führer verliehenen Ehrenkreuz überreicht.

26. Mai 1939

In feierlichem Festakt führte in der geschmückten Rathaushalle Oberpräsident und Stabschef der SA, Viktor Lutze, Oberbürgermeister Gnade und Bürgermeister Dr. Claassen in ihre Ämter ein. Vor dem Rathaus erwies ein Ehrensturm der SA-Standarte 82 mit Spielmanns- und Musikzug dem Stabschef die Ehrenbezeugungen. Nach dem von Mitgliedern des Städtischen Orchesters unter Leitung des Städtischen Musikdirektors C. M. Lange gespielten Larghetto aus Mozarts Klavier-Quartett S-Dur begrüßte Regierungspräsident Bredow-Hildesheim den Oberpräsidenten und Stabschef. Sodann führte dieser Oberbürgermeister Gnade und Bürgermeister Claassen in ihre Ämter ein und verpflichtete beide durch Handschlag. Gleichzeitig wurde SA-Oberführer Ihle-Hannover als neuer Stadtrat in Göttingen eingeführt.

Oberbürgermeister Gnade dankte hierauf dem Oberpräsidenten und Stabschef für das Vertrauen der Berufung zum Oberbürgermeister und gelobte Pflichterfüllung. Bürgermeister Dr. Claassen sprach gleichfalls seinen Dank für seine Ernennung aus und versprach, durch weitgehende Sparsamkeit auf allen Gebieten die Finanzen der Stadt Göttingen gesund zu halten. Ratsherr Professor Dr. Neumann überbrachte die Grüße des beurlaubten Kreisleiters wie der Ratsherren und versicherte in ihren Namen stete Bereitschaft der Unterstützung.

Oberpräsident und Stabschef Lutze gedachte des früheren Göttinger Oberbürgermeisters Jung und bedauerte, ihm nicht persönlich für die verdienstvolle Amtsführung danken zu können. Mit dem ersten Satz des allegro aus Mozarts S-Dur Quartett, dem von Oberbürgermeister Gnade ausgebrachten "Sieg Heil!" auf den Führer und den Nationalhymnen klang die Feier aus. Die Ehrengäste trugen sich in das "Goldene Buch" der Stadt ein.

29. Mai 1939

Auf der Waldbühne Tannenkamp in Hann. Münden wurde die Sommer-Spielzeit des Göttinger Stadttheaters eröffnet.


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